Sonnenuntergang - Sehnsucht nach mehr

 

Ein Sonnenuntergang fasziniert.

Ein kurzer vergänglicher Moment, ein Moment des Übergangs vom Tageslicht zur Nacht.

Manchmal erleben wir das Glück, dass der Abendhimmel uns ein Schauspiel leuchtender Farben bietet. Die wechselnden Töne des Lichts in  orange und rot.

Es entsteht eine besondere Stimmung der Ruhe und des Friedens, der sich über das Land legt, eine Stimmung der Melancholie und der Sehnsucht.

Fast von allein verstummen wir als Menschen, genießen wir schweigend diese Ruhe und diesen Frieden.

 

Jeder Sonnenuntergang erinnert uns:

Wir sind als Menschen eingebettet in einen größeren Kreislauf der Schöpfung. In ein größeres Ganzes, das nicht wir selbst uns ausgedacht haben.

Wir spüren: wir haben als Menschen  nicht alles in der Hand.

Und das entlastet auch.

Wir dürfen das, was wir an diesem Tag getan haben, zurückgeben in eine größere Hand, uns selber bergen in die Hand unseres Schöpfers, der Himmel und Erde gemacht hat, der die Sonne auf- und untergehen lässt.

 

Die Geschäftigkeit des Tages kommt zur Ruhe.

Wir dürfen alles, was uns belastet ihm anbefehlen.

Das milde Abendlicht ist uns ein Fingerzeig für die Milde und Barmherzigkeit Gottes, der wir uns anbefehlen dürfen, auch unsere eigenen Fehler, unsere Schuld.

Bei unserem Schöpfer, in der Gegenwart seiner Gnade können wir unseren inneren Frieden finden.

 

Jeder Sonnenuntergang erinnert uns:

Wir sind als Christen eingebettet in eine größere Gemeinschaft.

Wir sind eingebettet in die Gemeinschaft derer, die auf der ganzen Welt Gott, den Schöpfer des Himmels und der Erde, kennengelernt haben durch Jesus Christus.

Seither wissen wir, dass hinter der Schönheit eines Sonnenuntergangs die Liebe eines persönlichen Schöpfers steht, der alles liebevoll für uns eingerichtet hat. Der uns beglückt durch solche Momente wie den eines roten Sonnenballs, der in den Horizont eintaucht.

Dass wir nicht einer unpersönlichen Schicksalsmacht ausgeliefert sind, der wir egal sind.

 

Und diese weltumspannende Gemeinschaft derjenigen, die Gott als ihren persönlichen Schöpfer  kennen, geht als eine Welle des Lobes um den Erdball. Eine Staffette, die nie abreist.

Eine wunderbare und beglückende Vorstellung, dass ich da dazugehören darf in diesen Chor, der nie aufhört.

Dieses Schöpferlob verbindet uns mit Menschen in allen Ländern und Erdteilen.

Wenn man wie ich solche Mitbeter und Mitsängerinnen in verschiedenen Teilen der Welt persönlich kennt, dann berührt einen diese Vorstellung noch tiefer.

Das Reich Gottes, das wie ein Senfkorn begonnen hat in Israel, diesem kleinen Land zwischen Afrika, Asien und Europa, hat sich ausgebreitet über alle Welt.

 

Jeder Sonnenuntergang erinnert uns aber noch an etwas Drittes:

Das wird im Lied „Der Tag, mein Gott“in der fünften Strophe genannt:

So sei es, Herr: die Reiche fallen, dein Thron allein wird nicht zerstört; dein Reich besteht und wächst, bis allen, dein großer, neuer Tag gehört.

 

Sonnenuntergänge sind auch Momente der Sehnsuchtnach mehr.

Sehnsucht, dass hinter dem Horizont etwas unvorstellbar Schöneres und Größeres stehen muss.

Sehnsucht, dass die Welt sich nicht ziellos und unendlich weiterdreht in einem sinnlosen Kreislauf, sondern dass sie letztendlich ein Ziel hat.

Sonnenuntergänge sind Momente der Sehnsucht nach dem neuen Morgen und nach dem großen neuen Tag der Ewigkeit.

In der Offenbarung des Johannes ist der Neue Himmel und die Neue

Erde verheißen.

Und darin das Neue Jerusalem, von der gesagt wird:

die Stadt bedarf keiner Sonne noch des Mondes, dass sie ihr scheinen; denn die Herrlichkeit Gottes erleuchtet sie, und ihre Leuchte ist das Lamm.

Und die Völker werden wandeln in ihrem Licht; und die Könige auf Erden werden ihre Herrlichkeit in sie bringen.

Und ihre Tore werden nicht verschlossen am Tage; denn da wird  keine Nacht sein.  ( Offb 21,23-25)

 

Eines Tages wird es also tatsächlich den letzten Sonnenuntergang geben.

Aber es wird nicht das Ende bedeuten, sondern der Anfang von etwas ganz Neuem.

Dann wenn Gott diesen ersten Himmel und die erste Erde vergehen lässt und seine neue Schöpfung ins Leben ruft.

 

Jeder Sonnenuntergang will in uns diese Sehnsucht wecken, dass wir dann dabei sind im Reich Gottes.

 

Der Tag, mein Gott ist nun vergangen und wird vom Dunkel überweht. Am Morgen hast du Lob empfangen, zu dir steigt unser Nachtgebet.

         Die Erde rollt dem Tag entgegen; wir ruhen aus in dieser Nacht und danken dir, wenn wir uns legen, dass deine Kirche immer wacht.

Denn unermüdlich wie der Schimmer des Morgens um die Erde geht, ist immer ein Gebet und immer ein Loblied wach, das vor dir steht.

         Die Sonne, die uns sinkt bringt drüben den Menschen überm Meer das Licht:  und immer wird ein Mund sich üben, der Dank für deine Taten spricht.

So sei es, Herr: die Reiche fallen, dein Thron allein wird nicht zerstört; dein Reich besteht und wächst, bis allen, dein großer, neuer Tag gehört.