Raus aus der Sackgasse

 

Wir befinden uns in einem seltsamen Zwischenzustand.

Eigentlich hatten wir schon letzten Sommer gedacht, die Krise ist schon vorbei.

Aber dann folgten Wochen, Monate immer zwischen Hoffen und Bangen. Auf und zu, hin und her.

Wir fühlen uns gerade wieder in die Enge getrieben, zermürbt von den quälend langen Verhandlungen in der Gesellschaft.

Allein das Virus lässt nicht mit sich verhandeln. 

Es schlägt immer wieder zurück, wenn wir gerade denken, wir sind ihm entkommen.

Das Bibelwort, das in diesem Jahr zu Ostern vorgeschlagen ist, passt genau in unsere momentane Situation.

Denn so wie uns im Moment erging es den Israeliten damals vor etwa 3500 Jahren.

Vor 3500 Jahren war es aber nicht ein Virus, das sie zermürbt hatte, das sie wieder in die Enge getrieben hatte, sondern eine andere feindliche Macht. Zumindest im Blick auf das Virus ergeht es den Israeliten gerade besser als uns. Andere feindliche Mächte gibt es heute leider auch genug, die Israel immer wieder in die Enge treiben und bedrohen.

Damals war es der ägyptische Pharao, der ägyptische König, der ihnen einfach keine Ruhe ließ.

Quälend lange waren sie eingeschlossen in der Knechtschaft, im Sklavendienst, keine Öffnung war in Sicht gewesen.

Und dann das ewige Hin-und Her. Versprechen von Öffnung, Reisefreiheit.

Aber immer wenn der erhoffte Auszug kurz bevor stand, wieder ein Rückzug, wieder Lockdown. Der Pharao hatte es sich im letzten Augenblick wieder anders überlegt.

Nach jeder Plage, die Gott geschickt hatte, hatte er eingelenkt, aber nach dem Ende der Plage wieder einen Rückzieher gemacht.

Die Israeliten waren zermürbt von den quälend langen Verhandlungen und dem hin und her, auf und zu.

Und dann die endgültige Öffnung.

Nach der Passahnacht, der 10.Plage mit dem Tod der Erstgeborenen, durften sie tatsächlich ausziehen.

Die neue Freiheit war da.

 Aber dann geschah folgendes:

Und der HERR verstockte das Herz des Pharao, des Königs von Ägypten, dass er den Israeliten nachjagte.  Aber die Israeliten waren unter der Macht einer starken Hand ausgezogen.

Und die Ägypter jagten ihnen nach mit Rossen, Wagen und ihren Männern und mit dem ganzen Heer des Pharao und holten sie ein, als sie sich gelagert hatten am Meer bei Pi-Hahirot vor Baal-Zefon.

Und als der Pharao nahe herankam, hoben die Israeliten ihre Augen auf, und siehe, die Ägypter zogen hinter ihnen her. Und sie fürchteten sich sehr und schrien zu dem HERRN

und sprachen zu Mose: Waren nicht Gräber in Ägypten, dass du uns wegführen musstest, damit wir in der Wüste sterben? Warum hast du uns das angetan, dass du uns aus Ägypten geführt hast?

Haben wir's dir nicht schon in Ägypten gesagt: Lass uns in Ruhe, wir wollen den Ägyptern dienen? Es wäre besser für uns, den Ägyptern zu dienen, als in der Wüste zu sterben.

Sie hatten gedacht: Endlich haben wir es geschafft. Und jetzt das:

Nach der Krise ist vor der Krise. Und die neue Krise schien noch schlimmer als die alte. Sie waren in der Sackgasse und mussten befürchten, jetzt vom Heer des Pharao vernichtet zu werden, seinem Zorn ausgeliefert.

Jetzt schien die frühere Krise im Vergleich zu der neuen noch besser.

Wären wir nur in Ägypten geblieben !

In ihrer Angst richtet sich ihre Wut jetzt gegen Gott selber:

Warum hast du uns überhaupt aus Ägypten geführt ?!

 Interessant: Hatten die Israeliten nicht gerade erst 10mal hintereinander das machtvolle Eingreifen Gottes hautnah miterlebt. Hatten sie nicht erlebt, dass Gottes Macht unendlich viel größer ist als die des Pharao ?

Und schon ist ihr Vertrauen wieder völlig weg.

 Wenn wir ehrlich sind: Geht es uns nicht oft genauso ?

So oft haben wir Gottes Hilfe erfahren und doch sind wir in einer neuen Krise schnell wieder am Ende mit unserem Vertrauen auf Gott.

 Gott hätte allen Grund, die Israeliten damals  aufzugeben, endgültig als Kleingläubige und notorische Zweifler abzuschreiben.

Aber er hat es damals nicht getan und er tut es auch heute bei uns nicht.

Hören wir, was stattdessen passierte:

Da sprach Mose zum Volk: Fürchtet euch nicht, stehet fest und sehet zu, was für ein Heil der HERR heute an euch tun wird. Denn wie ihr die Ägypter heute seht, werdet ihr sie niemals wiedersehen.

Der HERR wird für euch streiten, und ihr werdet stille sein.

 Mose glaubt und vertraut stellvertretend für das Volk.

Solche Menschen brauchen wir heute auch, die wie Mose uns ermutigen und für uns glauben, bis wir wieder selber vertrauen können, die mutig im Vertrauen auf Gott vorangehen.

„Der HERR wird für euch streiten und ihr werdet stille sein.“

Das ist in unserer Lutherübersetzung der einzige fettgedruckte Satz in unserem heutigen Abschnitt. Die zentrale Zusage:

„Der HERR wird für euch streiten und ihr werdet stille sein.“

 Diesen Glaubenssatz sagt Mose bevor er von Gott überhaupt etwas zugesagt bekommt. Aber Mose ist gewiss: Gott wird ihn und sein Volk nicht im Stich lassen.

 Vieles können wir selber machen. Dazu sind wir auch berufen von Gott, die Dinge zu tun, die wir tun können, zu denen er uns befähigt.

Aber dann gibt es auch wieder Situationen, da heißt es einfach: stille sein und auf Gott vertrauen. Manches liegt nicht in unserer Hand.

Und das fällt uns Menschen mit am schwersten, das zu akzeptieren.

Das anzunehmen, dass ich auf Gottes Eingreifen warten und vertrauen muss. Dass ich eingestehen muss: ich kann da jetzt nichts mehr tun mit meiner Kraft.

 Und tatsächlich: das Vertrauen des Mose bewährt sich.

Gott weist ihn an mit seinem Volk auf das Meer weiter zuzugehen und dann seinen Stab über dem Meer zu erheben.

Und dann heißt es:

Da sprach Mose zum Volk: Fürchtet euch nicht, stehet fest und sehet zu, was für ein Heil der HERR heute an euch tun wird. Denn wie ihr die Ägypter heute seht, werdet ihr sie niemals wiedersehen.

Der HERR wird für euch streiten, und ihr werdet stille sein.

 Da erhob sich der  Engel Gottes, der vor dem Heer Israels herzog, und stellte sich hinter sie.  Und die Wolkensäule vor ihnen erhob sich und trat hinter sie

und kam zwischen das Heer der Ägypter und das Heer Israels. Und dort war die Wolke finster, und  hier erleuchtete sie die Nacht, und so kamen die Heere die ganze Nacht einander nicht näher.

Als nun Mose seine Hand über das Meer reckte, ließ es der HERR zurückweichen durch einen starken Ostwind die ganze Nacht und machte das Meer trocken, und die Wasser teilten sich.

Und die Israeliten gingen hinein mitten ins Meer auf dem Trockenen, und das Wasser war ihnen eine Mauer zur Rechten und zur Linken.

Und die Ägypter folgten und zogen hinein ihnen nach, alle Rosse des Pharao, seine Wagen und Männer, mitten ins Meer…….

Und das Wasser kam wieder und bedeckte Wagen und Männer, das ganze Heer des Pharao, das ihnen nachgefolgt war ins Meer, so dass nicht einer von ihnen übrigblieb.

Aber die Israeliten gingen trocken mitten durchs Meer, und das Wasser war ihnen eine Mauer zur Rechten und zur Linken.

So errettete der HERR an jenem Tage Israel aus der Ägypter Hand.

 Gott greift machtvoll ein. Er holt Israel aus der tödlichen Sackgasse, aus dieser aussichtslosen Lage heraus, aus der es menschlich kein Entkommen mehr gegeben hatte.

Er schafft einen Weg heraus, wo es keinen Weg vorher gab.

 Gott hat seinem Volk das Leben gerettet. So wie manche Menschen, die erlebt haben, dass sie aus einer tödlichen Gefahr errettet wurden, diesen Tag als ihren zweiten Geburtstag feiern, so haben die Israeliten diese Errettung auch jedes Jahr gefeiert. Gott hat ihnen das Leben neu geschenkt, das schon verloren schien.

Gott hat machtvoll eingegriffen.

Auf wunderbare Weise. Gott ist souverän, er kann jederzeit machtvoll in das Weltgeschehen eingreifen.

An dieser Stelle möchte ich Ihnen den zweiten Osterwitz heute erzählen:

„Zwei Theologen debattieren darüber, ob Gott damals wirklich ein Wunder am Schilfmeer getan hat.

Der Skeptiker hält den Durchzug Israels durch das Schilfmeer für völlig natürlich erklärbar und kein großes Wunder.

Das Schilfmeer sei an der Stelle wahrscheinlich eh nur einen Meter tief gewesen und ein bisschen stärkerer Wind habe das Wasser dann noch etwas zurückgedrängt.

Sagt der andere: dann ist es ja ein noch viel größeres Wunder gewesen:

Denn dann hat Gott es bewirkt, dass das ägyptische Heer in nur 1m Wassertiefe ertrunken ist.“

 So ähnlich verhält es sich bei dem noch größeren Wunder der Auferstehung Jesu auch.

Auch da gibt es viele Skeptiker, die andere,  natürliche Erklärungen suchen für das, was die Jünger von der Auferstehung Jesu erzählt haben.

Auch diese alternativen Erklärungsversuche erfordern alle einen viel größeren Glauben. Es wäre ein viel größeres Wunder nötig gewesen, dass die Jünger ohne die Auferstehung Jesu dann so felsenfest überzeugt gewesen wären vom leeren Grab und davon, dass sie Jesus begegnet sind.

 Und genauso wie für die Israeliten, für die Juden bis heute die Errettung aus der Todesgefahr am Schilfmeer die grundlegende Erfahrung geblieben ist für ihr Vertrauen zu Gottes rettender Macht, so ist die Auferstehung Jesu für uns als Christen die bleibende grundlegende Erfahrung für unseren Glauben an Gottes Macht über den Tod.

 Die tödliche Sackgasse, auf die wir als Menschen zugehn, unseren irdischen Tod, ist seitdem keine Sackgasse mehr.

Selbst für die 80.000 Menschen, die innerhalb eines Jahres an Corona gestorben sind, ist dieser irdische Tod keine Sackgasse.

 Und auch die vielen anderen Sackgassen, vor denen Menschen durch die Coronakrise stehen, müssen nicht das Ende bedeuten.

Gott kann neue Wege bahnen, wo wir mit unseren ganzen menschlichen Bemühungen am Ende sind.

Gott kann überraschende, völlig neue Wege schaffen, die wir uns noch gar nicht vorstellen können.

 Als die Israeliten durch das Schilfmeer hindurch und in Sicherheit waren, brachen sie in großen Jubel aus und lobten Gott.

Besonders wird nach dem großen Danklied des Mose seine Schwester Miriam namentlich erwähnt :

Da nahm Mirjam, die Prophetin, Aarons Schwester, eine  Pauke in ihre Hand, und alle Frauen folgten ihr nach mit Pauken im Reigen.

Und Mirjam sang ihnen vor: Lasst uns dem HERRN singen, denn er hat eine herrliche Tat getan; Ross und Mann hat er ins Meer gestürzt.

 Miriam soll uns als Vorbild dienen, dass auch wir den Dank und das Lob Gottes nicht vergessen, wenn wir aus der Krise herausgekommen sind.

Schon jetzt lade ich Sie ein zu unserer Wachtandacht im Juli, die ich als Dankandacht feiern möchte für alle Hilfe Gottes durch die Coronakrise hindurch.

An dem Wunder, an dem Machterweis Gottes am Schilfmeer sollten Israel und Ägypten Gottes Herrlichkeit und Macht erkennen.

Israel wurde befreit, um am Sinai einen großen Gottesdienst zu feiern, dort Gott zu begegnen und mit ihm einen Bund zu schließen.

 In jeder Osternacht feiern wir als Christen des Neuen Bundes so auch die Erneuerung unseres Taufbundes, das Taufgedächtnis, dass wir in diesem Vertrauen zu unserem mächtigen Gott festhalten.

In diesem Vertrauen, dass der Herr für uns streiten wird,  können wir zuversichtlich und voller Jubel vorwärts gehen.