Glauben wir alle an denselben Gott ? - Der christliche Glaube und die Religionen

Warum gibt es so viele unterschiedliche Religionen ? 

Wie  verhält sich unser christlicher Glaube zu den anderen Religionen und Weltanschauungen ?   

Glauben nicht alle im Grunde an denselben Gott ?

Das alles sind Fragen, die irgendwann jedem Christen kommen, wenn er über seinen Glauben nachdenkt.

Und es ist gut, solche Fragen nicht zu verdrängen, vielleicht aus Angst oder Unsicherheit, weil sie den eigenen Glauben in Frage stellen könnten.

Nein, wir brauchen vor dem Denken keine Angst zu haben als Christen. Christlicher Glaube und Denken gehören zusammen.

Das war von  Anfang an so.

Die Apostelgeschichte berichtet ja von den Christen der ersten Jahrzehnte. Lukas, der Autor der Apostelgeschichte beschreibt, wie die Botschaft des christlichen Glaubens in alle Welt hinaus gegangen ist und da auf andere Religionen und Weltanschauungen getroffen ist.

Ein zentraler Text in der Apostelgeschichte, wo das beispielhaft gezeigt wird, ist die Rede des Apostel Paulus auf dem Marktplatz in Athen.

Athen war der Inbegriff von menschlichem Nachdenken über Gott und die Welt, auch wenn im 1.Jh. nach Christus die Blütezeit der griechischen Philosophie mit Platon und Aristoteles schon 500 Jahre zurücklag.

Lesen wir, wie Paulus den Athenern seinen Glauben an Gott erklärt:

 Apostelgeschichte 17, 22-29

Paulus aber stand mitten auf dem Areopag und sprach: Ihr Männer von Athen, ich sehe, dass ihr die Götter in allen Stücken sehr verehrt.

Ich bin umhergegangen und habe eure Heiligtümer angesehen und fand einen Altar, auf dem stand geschrieben: Dem unbekannten Gott. Nun verkündige ich euch, was ihr unwissend verehrt.

Gott, der die Welt gemacht hat und alles, was darin ist, er, der Herr des Himmels und der Erde,  wohnt nicht in Tempeln, die mit Händen gemacht sind.

Auch lässt er sich nicht von Menschenhänden dienen, wie einer,  der etwas nötig hätte, da er doch selber jedermann Leben und Odem und alles gibt.

Und er hat aus einem Menschen das ganze Menschengeschlecht gemacht, damit sie auf dem ganzen Erdboden wohnen, und  er hat festgesetzt, wie lange sie bestehen und in welchen Grenzen sie wohnen sollen,

damit sie Gott suchen sollen, ob sie ihn wohl fühlen und finden könnten; und fürwahr,  er ist nicht ferne von einem jeden unter uns.

Denn in ihm leben, weben und sind wir; wie auch einige Dichter bei euch gesagt haben: Wir sind seines Geschlechts.

Das wir nun  göttlichen Geschlechts sind, sollen wir nicht meinen, die Gottheit sei gleich den goldenen, silbernen und steinernen Bildern, durch menschliche Kunst und Gedanken gemacht.

Das ist der erste längere Teil seiner Rede, nachher werden wir uns noch den Schluss anschauen.

Paulus erklärt den Athenern hier seinen Glauben an Gott so, dass sie es gut verstehen können. Er bezieht seine Erklärung nämlich auf ihren Glauben. Er fängt bei dem an, was sie glauben und macht dann den Unterschied zu seinem Glauben deutlich.

 Dabei beantwortet er auch die Fragen, die ich am Anfang genannt habe.

Warum gibt es so viele unterschiedliche Religionen ?

Paulus sagt: „Gott hat die Menschen so geschaffen, dass sie nach ihm suchen sollen, ob sie ihn wohl fühlen und finden könnten.“

Er geht sogar so weit zu sagen: als Geschöpfe Gottes sind wir „göttlichen Geschlechts“.

„Fürwahr, er ist nicht fern von einem jeden unter uns. Denn in ihm leben und weben und sind wir.“

 

Deshalb sind die Menschen zu allen Zeiten auf der Suche nach Gott.

Es ist in ihnen angelegt nach der Beziehung zu Gott zu suchen.

Der Mensch ist unheilbar religiös, hat diese Suche nach Gott  einmal jemand bezeichnet.

Und diese Suche zeigt sich konkret in den verschiedenen Religionen, die sich dadurch gebildet haben.

Die Menschen haben versucht Kontakt mit Gott aufzunehmen.

Sie haben sich Bilder von Gott gemacht: ganz konkret als Statuen, aber auch in ihren Gedanken.

 

Paulus weiß, dass die Philosophen, die Gebildeten, zu denen er hier redet, nicht an den bunten allzu menschlichen griechischen Götterhimmel glaubten, den sich die Menschen mit der Zeit ausgedacht hatten. Die Mythologien über Zeus, Aphrodite, Poseidon, Hermes und wie so alle heißen.

Deshalb weiß er, dass sie seine Auffassung teilen, wenn er sagt, dass, wenn es einen Gott gibt, er nicht auf den Dienst von Menschenhänden angewiesen ist und dass die Götterbilder aus Gold und Silber dem wahren Gott nicht gerecht werden.

 

Er weiß: ein Teil der Philosophen damals glaubt daran, dass irgendetwas Göttliches hinter der Schöpfung stecken muss.

Er erwähnt geschickt den Altar für den unbekannten Gott, den er gesehen hat.

Er erinnert sie also daran, dass ihnen selber bewusst ist, dass sie mit ihren menschlichen Möglichkeiten nicht alles von Gott wissen können.

 

Glauben wir also alle an denselben Gott ?

 Paulus bezeichnet  seinen Gott, als den, der die Welt gemacht hat und alles, was darinnen ist, der Herr des Himmels und der Erde.

 Paulus würde sagen: in allen Religionen und Gottesbildern suchen die Menschen letztlich diesen einen Gott.  Die Ahnung von ihm, die in jedem Menschen gleichermaßen angelegt ist, kommt so unterschiedlich zum Ausdruck.

Aber sie kommt letztlich nicht zum Ziel, sie bleibt unzureichend, sie kann Gott weder in mit Händen gemachten Bildern und Statuen, noch in gedanklichen philosophischen Vorstellungen angemessen erfassen.

 

An dieser Stelle geht Paulus nun weiter in seiner Rede und verkündet nun Gottes Handeln.

Gott hat die Initiative ergriffen und ist auf die Menschen zugegangen.

Gott hat sich ihnen gezeigt, dieser Schöpfer der Welt, der Herr des Himmels und der Erde hat Kontakt zu den Menschen aufgenommen:

 Verse 31-32

Zwar hat Gott über die  Zeit der Unwissenheit hinweggesehen; nun aber  gebietet er den Menschen, dass alle an allen Enden Buße tun.

Denn er hat einen Tag festgesetzt, an dem er den Erdkreis  richten will mit Gerechtigkeit durch einen Mann, den er dazu bestimmt hat, und hat jedermann den Glauben angeboten, indem er ihn von den Toten auferweckt hat.

Als sie von der Auferstehung der Toten hörten, begannen die einen zu spotten; die andern aber sprachen: Wir wollen dich darüber ein andermal weiter hören.

So ging Paulus von ihnen.

Einige Männer schlossen sich ihm an und wurden gläubig; unter ihnen war auch Dionysius, einer aus dem Rat, und eine Frau mit Namen Damaris und andere mit ihnen.

 

Die Menschen konnten nicht mehr von Gott wissen als diese Ahnung.

Gott nimmt ihnen diese Unwissenheit deshalb nicht übel.

Aber jetzt können sie sein Handeln sehen, jetzt meldet er sich zu Wort in der Welt. Jetzt ist die Zeit der Unwissenheit zu Ende.

Und ab jetzt sind alle Menschen aufgefordert umzudenken.

  

Diese Anrede Gottes an alle Menschen und sein sichtbares konkretes geschichtliches Handeln geschieht in Jesus. Besonders macht es sich an seiner Auferstehung fest.

In diesem einmaligen geschichtlichen Handeln behauptet Paulus hat sich Gott eindeutig offenbart und die Suche der Menschen nach ihm zu einem Ziel geführt.

Darin unterscheidet sich der christliche Glaube sowohl von den ungeschichtlichen Göttermythen, die sich nicht in der Geschichte festmachen lassen. Aber auch von allgemeinen philosophischen Gedanken über Gott, die durch eine natürliche Gotteserkenntnis aus der Schöpfung und aus dem angeborenen Gewissen des Menschen über eine vage Ahnung eines Schöpfergottes nicht hinauskommen.

 

Im Gespräch mit Menschen anderer Religionen und Weltanschauungen kann uns die Rede des Paulus bis heute eine gute Orientierung geben.

Wir können auch heute jeden Menschen auf seine in ihm angelegte Suche nach Gott ansprechen, auf sein natürliches Gewissen, auf die Schöpfung, die auf einen Schöpfergott hinweist.

Das kann eine gemeinsame Gesprächsgrundlage sein.

Auf der anderen Seite kann ich in einem solchen Gespräch als Christ nicht anders als Gottes konkretes Handeln in Jesus zu bezeugen, darauf hinzuweisen, vor allem auf die Auferstehung Jesu.

Dass der Schöpfergott, der Herr des Himmels und der Erde sich gerade so den Menschen gezeigt, sie angesprochen hat, kann ich nicht durch allgemein theoretische Argumente beweisen.

Aber ich kann den grundlegenden Unterschied von gedanklichen Spekulationen und ungeschichtlichen Göttermythen zu einem konkreten geschichtlichen Handeln Gottes erklären.

Und ich kann auf die zuverlässigen Zeugenaussagen der Menschen hinweisen, die Gottes Handeln in Jesus miterlebt haben.

Ich kann durchaus so weit argumentieren, dass der Glaube an diesen Gott, der sich in Jesus gezeigt hat, nicht unvernünftig ist.

Dass der Glaube an einen Schöpfergott nicht gegen naturwissenschaftliche Erkenntnis steht, sondern sich damit vereinbaren lässt.

All das kann unsachgemäße Denkhindernisse und Missverständnisse abbauen, aber alleine einen Menschen nicht zum Glauben an Gott bringen.

Wenn etwa Robert Habeck äußert, als philosophisch gebildeter Mensch könne er nicht an Gott glauben, er verstehe sich deshalb als ein säkularer Christ, der in der evangelischen Kirche nur deshalb Mitglied sei, weil er die moralischen Werte der Kirche teile, dann wäre es sicher spannend mit ihm in eine philosophische Diskussion einzutreten, und zu zeigen, dass philosophische Bildung nicht automatisch gegen einen Glauben an Jesus spricht.

 

Wie meine Gesprächspartner dann darauf reagieren, ob sie in Rede und  Leben Jesu, in seiner Auferstehung die Anrede Gottes an sich selbsthören, das liegt nicht in meiner Hand.

Auch da unterscheiden sich die Reaktionen damals bei Paulus und heute nicht grundlegend.

Es sind drei unterschiedliche Reaktionen:

Spott ( das kann auch noch in aggressiverer Form bis hin zur Anfeindung gehen), eine abwartende, ausweichende Reaktion ( wir wollen dich ein andermal weiterhören) oder eine Antwort des Glaubens, so wie damals von dem Ratsmitglied Ratsmitglied Dionysios und Damaris und einigen anderen, die nicht namentlich genannt werden.

 

Auf alle drei möglichen Reaktionen müssen Christen auch heute gefasst sein.

Die Botschaft der Auferstehung Jesu, die Aufforderung zu einem Umdenken und die Ansage, dass sich alle Menschen vor Gott als dem gerechten Richter verantworten müssen, hat es schon in sich.

Es geht ja in der Frage der Religion und Weltanschauung schließlich bei jedem Menschen sozusagen ums Ganze, um seine grundsätzliche Orientierung in der Welt, um sein Lebensfundament.

Da ist es normal, dass es auch mal heftige Reaktionen geben kann, wenn sich jemand in seiner bisherigen Weltanschauung in Frage gestellt sieht.

Da kann es schon mal zu intoleranten Reaktionen kommen bis hin zu Spott oder gar Anfeindungen.

Da ist es verständlich, dass sich Menschen diese konkrete Verantwortung vor Gott vom Hals halten wollen und lieber in ihren ungefähren, unverbindlichen  Spekulationen über Gott bleiben wollen.

 

Toleranz im Sinne von  Meinungsfreiheit, Redefreiheit, Religionsfreiheit: das sind Werte, die in unserem Land Gott sei Dank durch das Grundgesetz geschützt sind.

Recht verstanden ist Toleranz aber nicht eine Gleichmacherei, sondern ein Ertragen anderer Weltanschauungen und Religionen, auch wenn sie mich selber in Frage stellen.

Wenn ich alle anderen für gleich wahr halten würde, bzw. wie z.B. die postmoderne Weltanschauung glaube, dass es gar keine letzte Wahrheit gibt, bräuchte ich gar keine Toleranz.

 

Als Christen ist uns eine tolerante, ertragende Haltung gegenüber anderen Religionen und Weltanschauungen durch das Vorbild Jesu vorgegeben.

Er hat selbst gewaltsamen Widerspruch gewaltlos ertragen und seine Botschaft nie anderen mit Gewalt aufgezwungen.

 

Hoffen und beten wir, dass nicht eine Tendenz zunimmt in unserer Gesellschaft, die eine nur scheinbar tolerante postmoderne Philosophie zur allein tolerierten Weltanschauung erhebt,

und die am Ende Christen schon darum als intolerant bezeichnet,

weil sie die Auferstehung Jesu als ein für alle Menschen entscheidendes Handeln Gottes, und als seine Anrede an alle Menschen öffentlich verkündigen. 

 

Hier noch der Hinweis auf zwei vertiefendes  Videos:

von Dr. Johannes Hartl zu dem Thema "Jesus und die Weltreligionen": https://www.youtube.com/watch?v=LkWrfXYVuPg

von Dr. Alexander Fink zum Thema "Toleranz und Wahrheit": https://www.youtube.com/watch?v=l_fDULHIh0w